Hitzewallungen im Sommer – warum sie jetzt besonders belastend sein können

Kaum eine Wechseljahresbeschwerde ist so plötzlich, so körperlich spürbar – und im Sommer so herausfordernd wie Hitzewallungen. Wer versteht, was im Körper passiert, kann bewusster mit ihnen umgehen.

Fenchelsamen in einer handbemalten Fischschale auf hellem Leinentuch
 

Wenn der Körper plötzlich von innen glüht

Vielleicht hast du den Sommer früher geliebt. Heute suchst du automatisch den Schatten, schläfst in warmen Nächten schlechter oder nimmst morgens zwei Schlucke Kaffee – und plötzlich wird dir heiss. Vielleicht genügt inzwischen schon ein Glas Wein am Abend, damit dich in der Nacht Hitzewallungen wecken. Und manchmal schwitzt du nicht einmal, sondern hast einfach das Gefühl, von innen heraus zu glühen.

Manchmal ist das Bedürfnis nach Abkühlung so gross, dass man den Kopf am liebsten in den Kühlschrank stecken würde.

Viele Frauen erleben in den Wechseljahren, dass ihr Körper empfindlicher auf Wärme, Stress oder bestimmte Lebensmittel reagiert als früher. Treffen dann noch die hohen Sommertemperaturen dazu, können Hitzewallungen zu einer echten Herausforderung werden. Doch was passiert dabei eigentlich im Körper – und wie kannst du ihn in dieser Zeit unterstützen?


Wenn du genauer verstehen möchtest, was sich in dieser Lebensphase im Körper verändert, findest du in meinem Artikel Wechseljahre verstehen einen ausführlichen Überblick.


Warum entstehen Hitzewallungen?

Hitzewallungen gehören zu den häufigsten Beschwerden der Wechseljahre. Mit dem sinkenden und schwankenden Östrogenspiegel verändert sich die Temperaturregulation im Gehirn.

Dadurch reagiert der Körper empfindlicher auf selbst kleine Temperaturschwankungen. Die Blutgefässe weiten sich, die Haut wird stärker durchblutet und der Körper beginnt zu schwitzen, um sich abzukühlen – obwohl gar keine echte Überhitzung vorliegt.

Stress, Schlafmangel, Alkohol oder scharfes Essen können diese Reaktion zusätzlich verstärken.


Was bei Sommerhitze im Körper passiert

Was im Winter vielleicht als kurzer, unangenehmer Moment vorbeigeht, kann sich im Sommer deutlich anders anfühlen. Der Körper muss sich in den warmen Monaten ohnehin schon stärker um seine Temperaturregulation kümmern.

Steigen die Aussentemperaturen, ist das körpereigene Kühlsystem bereits gefordert. Kommt jetzt noch eine Hitzewallung hinzu, wird die Wärmeabgabe zusätzlich erschwert – und der Körper hat weniger Spielraum, um sich abzukühlen.

Bei anhaltender Hitze wird es für den Körper zudem schwieriger, überschüssige Wärme an die Umgebung abzugeben – besonders an windstillen Tagen und wenn auch die Nächte kaum Abkühlung bringen.

Viele Frauen empfinden Hitzewallungen im Sommer deshalb als besonders belastend.



Was sagt Ayurveda dazu?

Die klassischen Ayurveda-Texte beschreiben Hitzewallungen nicht ausdrücklich. Die heutige Einordnung beruht deshalb auf einer modernen Interpretation der ayurvedischen Prinzipien.

Im Ayurveda gelten die Wechseljahre als eine Lebensphase, in der Vata natürlicherweise zunimmt. Die Hitzewallung selbst zeigt dagegen viele Eigenschaften von Pitta: Hitze, Rötung und intensives Schwitzen.

Im Sommer können die hohen Aussentemperaturen ausgeprägte Pitta-Symptome zusätzlich verstärken. Die äussere Hitze trifft auf die innere – zwei Feuer begegnen sich.

Aus ayurvedischer Sicht geht es deshalb nicht darum, Hitzewallungen einfach zu unterdrücken. Ziel ist vielmehr, das erhöhte Pitta zu beruhigen und gleichzeitig Vata zu stabilisieren. Ernährung und Lebensstil spielen dabei eine wichtige Rolle.



Ernährung, die im Sommer guttut

Die Ernährung ist einer der wirksamsten Hebel, um Pitta im Sommer auszugleichen. Empfehlenswert sind vor allem Lebensmittel mit süssem, bitterem und herbem Geschmack sowie einer kühlenden und nährenden Wirkung. Dabei geht es nicht darum, möglichst kalt zu essen, sondern Lebensmittel zu wählen, die nach ayurvedischem Verständnis eine kühlende Wirkung haben.

Dazu gehören zum Beispiel Gurke, Fenchel, Kokos, Koriander, reife süsse Früchte wie Melone oder Trauben sowie Getreide wie Reis oder Weizen. Entscheidend ist dabei nicht nur, was du isst, sondern auch wie. Regelmässige Mahlzeiten, genügend Flüssigkeit und hochwertige Fette helfen, Vata zu stabilisieren und den Körper in dieser Zeit zu unterstützen.


Pitta-ausgleichende Ernährung für den Sommer

  • Gemüse: Gurke, Fenchel, Zucchetti, Brokkoli, Kartoffeln, Süsskartoffeln, Blattsalate, Blattgemüse wie Mangold, Artischocken, Erbsen und grüne Bohnen.

  • Früchte: Melone, Trauben, Birnen, Äpfel, Feigen, Granatäpfel sowie vollreife Beeren, Kirschen und Pflaumen.

  • Gewürze & Kräuter: Koriander, Fenchel, Minze, Dill, Salbei, Kardamom und Kurkuma.

  • Getreide: Besonders geeignet sind Reis, Gerste, Dinkel und Weizen.

  • Proteine: Gut verträgliche Eiweissquellen wie Mung-Dal, frisch hergestellter Paneer oder rote Linsen eignen sich besonders für den Sommer. Je nach Verdauungskraft können auch andere eiweissreiche Lebensmittel gut vertragen werden.

  • Fette, Nüsse & Samen: Ghee, Kokosprodukte, Olivenöl, Mandeln (über Nacht eingeweicht und ohne Schale) sowie Kürbis- und Sonnenblumenkerne.


Getränke, die im Sommer guttun

Im Sommer sind eiskalte Getränke zwar verlockend, aus ayurvedischer Sicht schwächen sie jedoch das Verdauungsfeuer. Greife deshalb lieber zu Getränken mit Raumtemperatur oder leicht gekühlt, die den Körper auf natürliche Weise erfrischen.

Gut geeignet sind zum Beispiel:

  • Wasser mit Koriander-, Fenchel- und Kreuzkümmelsamen

  • stilles Wasser mit Gurke oder Minze

  • Kokoswasser

  • verdünnter Granatapfelsaft

  • selbstgemachte Kräuter- oder Grüntees, leicht gekühlt

  • ayurvedische Buttermilch (Takra) – aus Joghurt, Wasser und Gewürzen

Sie ergänzen eine Pitta-ausgleichende Ernährung und sorgen an heissen Tagen für eine angenehme Erfrischung.


Was Pitta zusätzlich anregen kann

Wie konsequent erhitzende Lebensmittel reduziert werden sollten, hängt davon ab, wie stark Pitta erhöht ist. Bei deutlich ausgeprägten Hitzezeichen kann es sinnvoll sein, vorübergehend weitgehend auf stark erhitzende Lebensmittel zu verzichten. Bei milderen Beschwerden reicht es häufig aus, sie bewusst zu reduzieren.

Pitta kann unter anderem erhöht werden durch:

  • Alkohol

  • Kaffee

  • scharfe Gewürze

  • sehr salzige oder saure Speisen

  • frittierte Gerichte

  • langes Sonnenbaden oder anhaltende Hitze

  • anhaltender Stress, Ärger oder ein ausgeprägter Perfektionismus


 
Fenchelsamen in Keramikschale auf Leinentuch


Kleine Veränderungen im Alltag

Ayurveda muss auch im Sommer alltagstauglich bleiben. Wenn du arbeitest, Familie hast und unterwegs bist, braucht es keine Perfektion. Oft reichen schon kleine Veränderungen, die sich gut in deinen Alltag integrieren lassen.

Schon kleine Veränderungen können an heissen Tagen einen Unterschied machen:

  • Eine kühle Dusche kann an heissen Tagen für angenehme Abkühlung sorgen.

  • Nimm einen kleinen Handventilator mit – gerade unterwegs oder im Büro kann er sehr angenehm sein.

  • Suche bewusst kühlere Orte auf – zum Beispiel am See, im Wald oder im Schatten.

  • Plane deinen Tag möglichst ohne Zeitdruck und gönne dir bewusst Momente der Ruhe.

  • Eine sanfte Fussmassage mit Kokosöl am Abend kann angenehm kühlend und beruhigend wirken.

  • Vermeide intensive Bewegung in der Mittagshitze und verlege Sport lieber auf den frühen Morgen oder Abend.


Der Körper produziert in den Wechseljahren nicht einfach "zu viel Wärme". Er reagiert empfindlicher. Genau darin liegt der Schlüssel zum Verständnis von Hitzewallungen.

Ayurveda bietet dafür keine Patentlösung, sondern einen individuellen Weg. Nicht jede Frau mit Hitzewallungen hat dieselbe Konstitution oder dieselbe Pitta-Ausprägung. Deshalb können allgemeine Empfehlungen eine Orientierung geben, ersetzen aber keine persönliche Beurteilung von Konstitution, aktuellem Dosha-Zustand und Verdauungskraft (Agni).

Vielleicht hast du schon von Heilpflanzen wie Shatavari, Guduchi oder Sariva gehört. Sie werden im Ayurveda traditionell eingesetzt, ihre Auswahl sollte jedoch immer individuell erfolgen und nicht auf eigene Faust.



Wenn du dir Begleitung wünschst, unterstütze ich dich gerne. In meiner ayurvedischen Ernährungsberatungschauen wir gemeinsam, was dein Körper jetzt braucht – und finden einen Weg, der zu dir und deinem Alltag passt.

Vereinbare gerne ein unverbindliches Kennenlerngespräch. Ich freue mich darauf, dich kennenzulernen.


Medizinische Quelle
NICE Guideline NG23: Menopause: diagnosis and management –
NICE-Leitlinie ansehen



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Wechseljahre verstehen – ganzheitlich mit Ayurveda